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Aus der RegionملایرMalayer

Malayer ist eine Stadt und zugleich ein Landkreis im Süden der Provinz Hamadan, im Zagros-Bergland des westlichen Zentraliran, etwa auf halbem Weg zwischen Hamadan im Nordwesten und ArakIm Teppichlexikon nachschlagen, der Hauptstadt der Nachbarprovinz Markazi, im Südosten. Als Teppichname steht Malayer für den Hauptort und ebenso für die vielen Dörfer ringsum, denn geknüpft wurde hier immer im Dorf, nie in einer höfischen oder städtischen Manufaktur. Die Knüpferei für den Markt kam erst im 19. Jahrhundert auf, nach persischen Maßstäben spät, und diese dörfliche Herkunft prägt bis heute fast alles an einem Malayer-TeppichIm Teppichlexikon nachschlagen.
Den Rest besorgte die Lage. Über Jahrhunderte führte eine der wichtigen Handelsstraßen Irans durch den Landkreis, und mit den Reisenden und Händlern kamen Musteranregungen aus allen Richtungen, die die Knüpferinnen aufnahmen. So entstand ein für seine Größe ungewöhnlich vielseitiges Gebiet: Den einen Malayer-Stil gibt es nicht, und zwei Teppiche von den gegenüberliegenden Enden desselben Landkreises können wirken, als stammten sie aus verschiedenen Provinzen. Wer diese Zweiteilung kennt, kann solche Teppiche lesen, denn das Gebiet zerfällt recht klar in zwei Knüpftraditionen, von denen jede zu einem anderen Nachbarn hin orientiert ist.
Nach Südosten hin, näher an Arak, folgt die Knüpferei dem Vorbild von SaroughIm Teppichlexikon nachschlagen, dessen Dorf rund fünfzig Kilometer nördlich dieser Stadt liegt. Diese Teppiche sind doppelschüssigIm Teppichlexikon nachschlagen: Zwischen den Knotenreihen laufen jeweils zwei Baumwollschüsse, was einen festeren Griff ergibt und einen höheren FlorIm Teppichlexikon nachschlagen erlaubt. Geknüpft wird mit dem türkischen, also symmetrischen Knoten. Die Muster stammen aus dem Repertoire von Sarough, entweder ein florales MittelmedaillonIm Teppichlexikon nachschlagen oder ein LebensbaumIm Teppichlexikon nachschlagen über das ganze Feld. Die Farben sind dunkel und satt, mit marineblauem Grund, dazu Elfenbein, Gold sowie Grün- und Rottöne in der Zeichnung. In ihren besten Stücken kommen sie einem Sarough-Teppich so nahe, dass die Unterscheidung wirklich schwerfällt.
Am nordwestlichen Ende knüpfen die Dörfer so, wie in den Dörfern um Hamadan geknüpft wird. Der Aufbau ist dort einschüssigIm Teppichlexikon nachschlagen, die Knüpfung fällt aber meist etwas feiner aus als bei einem Hamadan-TeppichIm Teppichlexikon nachschlagen, und genau daran unterscheidet man die beiden in der Praxis. Die Zeichnung ist überwiegend geometrisch statt floral. Die Farben sind durchweg heller, auch die Rottöne, die eher ins Rosé und Terrakotta gehen als in die dunklen Töne des südöstlichen Typs. Auch der Flor ist hier dünner, und ein flacher Malayer-Läufer ist eine der üblichen Lösungen, wenn eine Flurtür frei über den Teppich schwingen soll.
Beide Hälften des Gebiets schöpfen aus den älteren Zeichentraditionen von Sarough und Ferahan, doch die Knüpferinnen behielten ihr eigenes Gefühl für Gleichgewicht und Proportion, statt schlicht zu kopieren. Die Ergebnisse fallen unterschiedlich aus, und das sollte man offen sagen: Manche Malayer wirken steif und ihrer Zeichnung fehlt der Fluss, andere sind so sicher gezeichnet, dass nur noch die Struktur ihre Herkunft verrät. Jüngere Stücke folgen meist der Formensprache des amerikanischen Sarough, jenem floralen Stil, der in der Exportzeit für Käufer in Amerika und Europa angepasst wurde; sie wirken weicher und offener als die ältere Dorfarbeit.
Die meisten Innenfelder folgen einem von zwei Aufbauten: einem floralen Mittelmedaillon oder einem floralen Allover-Muster, das sich ganz ohne Medaillon über den Grund wiederholt. Die Medaillons sind in der Regel rautenförmig oder sechseckig statt rund oder gelappt, eine dörfliche Gewohnheit, die sich selbst in den stärker floralen Stücken hält. Beide Aufbauten sind im gesamten Gebiet zu Hause, doch die Ausführung unterscheidet sich von Ende zu Ende. Die südöstlichen Dörfer führen sie ganz floral aus, die nordwestlichen halten es durchgehend eher geometrisch, sodass dasselbe Grundgerüst am Ende kaum wiederzuerkennen ist.
Zwei kleine Details sollte man kennen, denn sie verraten die Knüpfung schneller als das Muster. Sehen Sie in die Umrandung, die das Medaillon einfasst: Fast immer sitzen dort kleine weiße Punkte, eine Eigenheit, die sich durch Malayer zieht, die sonst kaum etwas gemeinsam haben. Sehen Sie dann auf die Hauptbordüre rings um den Teppich, wo ein Seilschlingen-Effekt, eine durchlaufende gedrehte Linie, das zweite wiederkehrende Erkennungszeichen bildet. Auffällig ist keines von beiden, und für sich genommen ist auch keines dem Gebiet vorbehalten. Zusammen jedoch bestätigen sie die Herkunft, wenn das Muster allein die Frage offenlässt.
Über diese beiden Aufbauten hinaus tauchen immer wieder drei Muster mit eigenem Namen auf. Das BotehIm Teppichlexikon nachschlagen, die Tropfen- oder Zapfenform, die sich in Reihen über das Feld wiederholt, ist hier fest verankert; das Wort bezeichnet im Persischen eine knospende Blume oder Pflanze, und das Motiv steht für Wachstum und Erneuerung. Der Lebensbaum findet sich vor allem auf der von Sarough geprägten Seite des Gebiets. Auch das Gebetsmuster kommt vor, aufgebaut um den MihrabIm Teppichlexikon nachschlagen, jene Bogennische, die für das Tor einer Moschee steht. Es ist als ein einziges, gerichtetes Bild komponiert, das man von einem Ende her betrachtet, und nicht als sich wiederholender Rapport.
Am deutlichsten zeigt sich die Vielfalt des Gebiets in der Farbe. Zurückhaltende und kräftige Paletten kommen beide vor, manchmal nur wenige Dörfer voneinander entfernt. Die Grundflächen sind meist tiefes Marineblau, sattes Rot oder Creme, und die Akzente reichen weit: Rosa, Pfirsich, Gold, Gelb- und Grüntöne, in der Regel sparsam gegen einen dunkleren Grund gesetzt. Für seine Färbungen und seine feine WolleIm Teppichlexikon nachschlagen genießt der Landkreis seit Langem einen guten Ruf. Da sich die beiden Teiltraditionen nicht nur im Aufbau, sondern auch in der Palette unterscheiden, gibt die Farbe zugleich den ersten Hinweis darauf, aus welchem Ende des Gebiets ein Teppich stammt.
Der Aufbau ist im ganzen Gebiet einheitlich, auch wo die Muster es nicht sind. Das Grundgewebe besteht aus Baumwolle, der Flor aus Wolle, und geknüpft wird in beiden Spielarten mit dem türkischen Knoten. Die KnotendichteIm Teppichlexikon nachschlagen liegt über dem Durchschnitt dörflicher Knüpfarbeit, und ehrlicher lässt es sich nicht sagen: Eine einzelne Zahl kann einen Namen, der für einen ganzen Landkreis steht, nicht abdecken, und genaue Angaben für Malayer insgesamt sollte man mit Vorsicht behandeln. Entscheidend ist, was daraus folgt. Die Knüpfung ist fein genug für kleine Details, deshalb wird der Flor bewusst kurz geschoren, damit die Zeichnung lesbar bleibt, kurz bis mittelhoch, je nachdem, ob der Teppich ein- oder doppelschüssig ist.
Die Formate folgen dem dörflichen Muster. Den Grundstock bilden kleine Teppiche und Läufer, die meisten zwischen etwa 60 × 90 und 120 × 210 Zentimetern, und gerade in diesen Größen findet man die gestalterische Bandbreite des Gebiets am leichtesten. Malayer-Läufer gibt es auch in großzügigen Breiten, ältere besonders, was sie für einen breiten Flur brauchbar macht. Größere Malayer existieren und wurden in bestimmten Dörfern geknüpft, doch die Auswahl wird dann rasch schmal, und echte Übergrößen sind selten, weil sie in der Regel nur auf Bestellung entstanden und nicht für den freien Markt.
Im Gebrauch passen diese Teppiche dorthin, wohin ihr Format weist: in den Flur, auf den Treppenabsatz, vor das Bett, auf den schmalen Streifen Boden neben dem Sofa. Der kurze Flor und der feste Griff halten viel Begehung aus, und die florale Zeichnung des südöstlichen Typs wirkt im Schlafzimmer ruhiger als ein großes, kräftiges geometrisches Muster. Den Bekanntheitsgrad von Sarough- oder Kaschan-Teppichen hatte Malayer nie, und wer auf die Knüpfung statt auf das Etikett schaut, bekam dafür in aller Regel sehr viel sorgfältige Handknüpfarbeit unter einem leiseren Namen.

Ein Perserteppich ist ein im Iran handgeknüpfter Teppich – und die Tradition dahinter ist die älteste, die sich überhaupt belegen lässt. Der älteste erhaltene Teppich, der Pazyryk-TeppichIm Teppichlexikon nachschlagen, wurde in einem gefrorenen Grabhügel entdeckt, der ihn konserviert hatte. Er stammt aus dem fünften Jahrhundert v. Chr., ist also rund 2.500 Jahre alt – und doch ist er bereits ein ausgereiftes Werk, kein tastender Anfang. Was als wärmende, strapazierfähige Bodenbedeckung für die Haushalte nomadischer Stämme begann, wuchs im Lauf dieser Jahrhunderte zu der Kunstform heran, aus der jedes andere Land mit Teppichtradition geschöpft hat.
Zwei spätere Kapitel prägen bis heute, wie ein Perserteppich aussieht. Unter den Safawiden, von 1501 bis 1732, förderte der Hof die Knüpfkunst ebenso wie Malerei und Kalligrafie, und die Manufakturen von Tabriz, HeratIm Teppichlexikon nachschlagen, Kashan und Kerman schufen die Meisterwerke, die heute in Museen zu sehen sind. In dieser Zeit entstand das große ZentralmedaillonIm Teppichlexikon nachschlagen, und die Entwürfe wurden so aufwendig, dass ein eigener Entwerfer – oft ein Miniaturmaler – das Muster als KnüpfvorlageIm Teppichlexikon nachschlagen auf Papier zeichnete, nach der die Knüpfer arbeiteten. Das zweite Kapitel folgte im neunzehnten Jahrhundert unter den Kadscharen: Die Produktion erreichte ihren historischen Höhepunkt, der Export nach Europa und Amerika boomte, und das Manufakturwesen, dessen Erben bis heute knüpfen, nahm seine moderne Gestalt an.
Der Handel teilt Perserteppiche in drei Familien ein. Stadtteppiche wie Tabriz-, Kashan-, Kerman-, Isfahan- und Nain-Teppiche werden in Manufakturen nach einer gezeichneten Knüpfvorlage gefertigt, erreichen die höchsten Knotendichten und bieten die größte Auswahl an Farben, Größen und Mustern. Dorfteppiche wie HerizIm Teppichlexikon nachschlagen-, Bachtiar- und KaradjaIm Teppichlexikon nachschlagen-Teppiche stehen dazwischen: meist geometrisch und größtenteils aus dem Gedächtnis geknüpft. NomadenteppicheIm Teppichlexikon nachschlagen – Belutsch- und QashqaiIm Teppichlexikon nachschlagen-Teppiche sowie turkmenische Teppiche, jeweils nach dem Volk benannt, das sie knüpft – entstehen auf kleinen, tragbaren Webstühlen und fallen deshalb kleiner aus; ihre kräftige geometrische Zeichnung entsteht im Kopf der Knüpferin, nicht auf dem Papier.
Die Formensprache schöpft aus einem reichen Motivschatz: Shah-Abbasi-Palmetten, fließende Arabesken, das kleine, sich wiederholende Herati-MusterIm Teppichlexikon nachschlagen, Medaillons, GartenmusterIm Teppichlexikon nachschlagen und LebensbaumIm Teppichlexikon nachschlagen-Kompositionen. Zusammen mit regionalen Eigenheiten ergeben sie Stile, die ein geübtes Auge auf einen Blick zuordnen kann – von den kräftigen geometrischen Medaillons der Heriz-Teppiche bis zu den feinen, geschwungenen Blumenmustern der Isfahan-Teppiche.
Die klassische Farbpalette beruht auf Naturfarben: Krapprot, Indigoblau, Safrangelb und sanfte Elfenbeintöne, über Jahrhunderte zu harmonischen Kombinationen verfeinert. Naturfarben altern in Würde – sie werden mit den Jahren weicher und milder und entwickeln jene Patina, für die ältere Teppiche so geschätzt werden. Leichte Tonverschiebungen zwischen den FärbechargenIm Teppichlexikon nachschlagen, der sogenannte AbrashIm Teppichlexikon nachschlagen, sind ein Zeichen für Naturfärbung in kleinen Chargen, kein Fehler.
Der FlorIm Teppichlexikon nachschlagen ist fast immer aus WolleIm Teppichlexikon nachschlagen, und die Wolle entscheidet maßgeblich über die Qualität des Teppichs. Das beste Vlies stammt von Herden im Hochland, wo es dichter wächst und reicher an natürlichem Wollfett ist; Wolle aus der Frühjahrsschur übertrifft die Herbstschur, und handgesponnenes GarnIm Teppichlexikon nachschlagen ergibt einen feineren, weicheren Faden als maschinell gesponnenes. Feine Stücke setzen Seidenakzente in den Wollflor, und die feinsten sind reine Seidenteppiche. Das Grundgewebe besteht bei Stadtteppichen meist aus Baumwolle, bei Nomadenteppichen und älteren Stücken aus Wolle und im obersten Segment aus Seide.
Jeder Knoten wird von Hand geknüpft, einer nach dem anderen, und zwar in einer von zwei Formen: als asymmetrischer (persischer) Knoten, üblich im Zentrum und im Osten des Iran, oder als symmetrischer (türkischer) Knoten, der im Nordwesten verbreitet ist, seit seldschukische Knüpfer ihn im elften und zwölften Jahrhundert einführten. Ein großer Teppich zählt rund zwei Millionen Knoten und kann eine Knüpferin etwa ein Jahr lang beschäftigen.
Die KnotendichteIm Teppichlexikon nachschlagen ist die Zahl, an der sich Einsteiger gern festbeißen, und die feinsten Stücke mit einem Grundgewebe aus Seide erreichen tatsächlich bis zu 1.000 Knoten pro Quadratzoll. Doch die DichteIm Teppichlexikon nachschlagen zählt nur so weit, wie die Zeichnung sie verlangt: Ein Isfahan mit geschwungenen Linien braucht eine feine Knüpfung, um gestochen scharf zu bleiben, während ein geometrischer Heriz bekanntlich schon bei moderater Knotendichte ausgesprochen strapazierfähig ist. Material, Symmetrie, Farbharmonie und Zustand sagen mehr über die Qualität aus als jede einzelne Zahl.
Perserteppiche fügen sich in moderne Räume so selbstverständlich ein wie in klassische – als Blickfang im Wohnzimmer, als ruhender Pol unter dem Esstisch oder als dezenter Akzent im Schlafzimmer. Die Pflege ist unkompliziert: behutsam saugen, ohne rotierende Bürste, den Teppich gelegentlich drehen, damit er sich gleichmäßig abnutzt, und etwa alle fünf Jahre eine professionelle Teppichwäsche – im Flur oder Eingangsbereich öfter, in einem wenig genutzten Raum seltener.
Ein handgeknüpfter Perserteppich überdauert meist seine Besitzer. Hundertjährige Stücke sind nicht selten noch in bestem Zustand, die Farben harmonisch gereift, der Flor geschmeidig, und sehen oft besser aus als an dem Tag, an dem sie vom WebstuhlIm Teppichlexikon nachschlagen kamen. Ein gut gewählter, gut gepflegter Teppich behält seinen Wert und wird als Erbstück in der Familie weitergegeben, statt ersetzt zu werden – und genau dafür waren die Knoten, die Wolle und die Farben schon immer gedacht.
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