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Aus der RegionخویKhoy

Khoy liegt in der Ebene nordwestlich des Urmiasees, in der Provinz West-Aserbaidschan im äußersten Nordwestzipfel des Iran, weit jenseits von Täbris auf dem Weg zur türkischen Grenze. Mittelalterliche arabische und persische Geographen führen den Ort bereits unter dem Namen Khuy als ummauerte Handelsstadt an der Karawanenstraße, die von Täbris über Maku weiter nach Ostanatolien führte, und diese Straße macht den Ort verständlich: Jahrhundertelang zogen WolleIm Teppichlexikon nachschlagen, Waren und Menschen hier hindurch. In der Stadt und in den umliegenden Dörfern wird überwiegend aserbaidschanisches Türkisch gesprochen, in den abgelegenen Bezirken leben kurdische Gemeinschaften. Die Knüpfkunst gehört hier zur großen aserbaidschanischen Tradition des Nordwestirans, nicht zu einer einzelnen Manufaktur oder einem bestimmten Meister.
Diese Tradition ist eine dörfliche, und der Unterschied zählt, sobald ein Teppich vor Ihnen liegt. Die aserbaidschanische Knüpfarbeit wird zusammen mit HerizIm Teppichlexikon nachschlagen, KaradjaIm Teppichlexikon nachschlagen und Abadeh der Dorfware zugerechnet, nicht den städtischen Manufakturen von Täbris oder Isfahan und ebenso wenig den Nomadenteppichen. Hinter ihr steht keine Entwurfszeichnung aus einem kommerziellen Atelier. Die Knüpfstühle stehen in den Häusern, geknüpft wird von den Familien, die darin wohnen, und die Teppiche tragen die kleinen Unregelmäßigkeiten, die daraus folgen: eine Bordüre, die sich um die Ecke herum zurechtrückt, ein Motiv, das seinen Maßstab wechselt, während das Innenfeld weiterläuft.
Die Arbeit folgt den Jahreszeiten, denn die Winter sind in diesem Teil des Iran lang und streng. Im Frühjahr und im Herbst scheren die Männer die Schafe und bereiten die Wolle vor, während die Frauen sammeln, womit gefärbt wird. Setzt die Kälte ein, wird der Knüpfstuhl im Haus aufgestellt, und die ganze Familie knüpft den Winter hindurch; das Knüpfen selbst gilt gewöhnlich als Sache der Frauen. Das ist Hauswirtschaft und kein Gewerbe in einem eigenen Gebäude: Wie viel vom Knüpfstuhl kommt, entscheidet der Rhythmus des Jahres und kein Produktionsplan.
Ein gezeichneter Entwurf liegt diesen Teppichen nicht zugrunde. Die Muster gehen aus dem Gedächtnis von einer Generation an die nächste über, und jede neue Generation legt etwas vom eigenen Charakter in das Ererbte. Die praktische Folge sollten Sie vor dem Kauf kennen: Zwei aserbaidschanische Teppiche desselben Typs sind erkennbar miteinander verwandt und doch nie derselbe Teppich. Die Abstände schwanken, ebenso die Zahl der Rapporte, Nebenmotive kommen und gehen. Wer zwei zueinander passende Stücke für einen symmetrisch eingerichteten Raum sucht, ist bei dieser Knüpfarbeit falsch; wer einen Boden möchte, dem man ansieht, dass er von Hand gemacht und nicht gedruckt ist, ist hier richtig.
Das Formenrepertoire ist in erster Linie geometrisch. Die Innenfelder sind auf einem kantigen Gerüst aufgebaut, und wo Blüten und geschwungene Formen auftauchen, sind sie in diese Geometrie hineingearbeitet, statt sie abzulösen. Drei Kompositionen kehren immer wieder. Verbreitet ist das Reihenmedaillon, bei dem zwei oder mehr Medaillons hintereinander durch das Feld laufen statt eines einzigen in der Mitte; das passt zu langen Formaten, in denen ein MittelmedaillonIm Teppichlexikon nachschlagen allein schlicht verloren ginge. Die zweite ist das durchgemusterte geometrische Feld, in dem sich die Formen ohne Unterbrechung von Kante zu Kante wiederholen. Die dritte, vor allem bei den Läufern, ist das BotehIm Teppichlexikon nachschlagen, jene Tropfenform, die die meisten europäischen Käufer unter dem Namen Paisley kennen.
Die Farbigkeit ist dunkel und warm. Der Fond ist meist ein tiefes Marineblau oder ein sattes Dunkelrot, das Helle tragen die Akzente: allen voran Creme, dann Orange, Grün, Gelb und blassere Blautöne. Ungefärbte Naturwolltöne stehen für sich, besonders bei Läufern, sodass ein Beige oder ein weiches Braun im Feld die Farbe des Vlieses sein kann und überhaupt keine Färbung. Traditionell wird mit Pflanzenfarben gearbeitet, gewonnen aus Material, das im Frühjahr in der Umgebung gesammelt wird. Im Raum erdet und verdunkelt ein solcher Teppich den Boden, statt ihn aufzuhellen.
Die Wolle der Region hat seit langem einen guten Ruf, und er gründet auf dem Land, von dem sie stammt: Das iranische Aserbaidschan besitzt einige der besten Schaf- und Bergweiden des Landes, und das Vlies, das dort geschoren wird, ist hochwertig und ausgesprochen strapazierfähig. Üblich ist ein Grundgewebe aus Baumwolle mit Wollflor; die Baumwolle gibt eine stabile Struktur, die flach aufliegt und unter dem Gewicht eines hohen Flors ihre Form hält. Reine Wollgrundgewebe kommen in der Region ebenfalls vor, und ein so gebauter Teppich fühlt sich in der Hand etwas weicher und beweglicher an.
Geknüpft wird mit dem symmetrischen oder türkischen Knoten. Seine Ankunft in der persischen Knüpfkunst wird gewöhnlich den Seldschuken des 11. und 12. Jahrhunderts zugeschrieben, und sein Einfluss ist bis heute genau in diesem Winkel des Landes am stärksten, neben Täbris und Hamadan. Für Teppiche dieser Art ist er die praktische Wahl: Der symmetrische Knoten fasst beide Kettfäden und hält dem Verschleiß entsprechend gut stand, er gibt gerade Linien und Winkel sauber wieder, was einer geometrischen Zeichnung entgegenkommt, und er hinterlässt eine gleichmäßige, ruhige Florfläche. Die KnotendichteIm Teppichlexikon nachschlagen liegt in der Region bei etwa 120 bis 160 Knoten pro Quadratzoll (KPSI), gut für dörfliche Arbeit und deutlich unter dem Niveau der Manufakturen.
Der FlorIm Teppichlexikon nachschlagen ist dick. Teppiche aus dieser Region zählen mit Heriz, BidjarIm Teppichlexikon nachschlagen, Hamadan und SaroughIm Teppichlexikon nachschlagen zu den hochflorigen, und die Höhe ist Absicht und kein Nebenprodukt: Ein tiefer, dicht gestellter Flor schluckt jahrzehntelang Trittbelastung und zeigt erst spät eine Laufstraße. Flure, Dielen, Wohnzimmer und Arbeitsräume sind die Orte, an denen sich ein solcher Teppich bezahlt macht. Aus demselben Grund ist er dort ungeeignet, wo eine Tür nur wenige Millimeter Luft über dem Boden hat: Prüfen Sie, ob die Tür frei darüber schwingt, bevor Sie sich für einen Teppich im Türbereich entscheiden.
Beim Format hat die Region eine echte Spezialität. Aserbaidschan gehört mit Heriz, Hamadan und Malayer zu den wenigen Herkünften, die regelmäßig breite Läufer hervorgebracht haben, und gerade ältere Stücke sind oft über 90 cm breit, statt die sonst übliche schmale Galeriebreite zu haben. Für einen breiten Flur oder einen langen Raum, in dem ein normaler Teppichläufer kümmerlich wirken würde, ist diese Mehrbreite anderswo kaum zu bekommen. Auch kleinere geometrische Teppiche kommen von diesen Knüpfstühlen. Teppiche in echter Raumgröße sind weniger typisch: Ein Knüpfstuhl im Wohnhaus einer Familie setzt seine eigenen Grenzen.
Die fertigen Teppiche gehen in den Basar von Täbris und werden über diesen Markt verkauft; deshalb erreicht ein Teppich, der in einem Dorf bei Khoy entstanden ist, den Käufer mitunter unter dem Namen der Stadt, durch die er gegangen ist. Weil sie so langlebig sind, finden sich Stücke ohne Weiteres in antikem und halbantikem Zustand, und ein älterer Teppich ist hier der Normalfall und keine Rarität. Ein gleichmäßig abgelaufenes Exemplar mit niedrigem, aber gesundem Flor und unversehrten Kanten und Abschlüssen ist oft der bessere Teppich als ein neueres Stück vergleichbarer Güte.

Ein Perserteppich ist ein im Iran handgeknüpfter Teppich – und die Tradition dahinter ist die älteste, die sich überhaupt belegen lässt. Der älteste erhaltene Teppich, der Pazyryk-TeppichIm Teppichlexikon nachschlagen, wurde in einem gefrorenen Grabhügel entdeckt, der ihn konserviert hatte. Er stammt aus dem fünften Jahrhundert v. Chr., ist also rund 2.500 Jahre alt – und doch ist er bereits ein ausgereiftes Werk, kein tastender Anfang. Was als wärmende, strapazierfähige Bodenbedeckung für die Haushalte nomadischer Stämme begann, wuchs im Lauf dieser Jahrhunderte zu der Kunstform heran, aus der jedes andere Land mit Teppichtradition geschöpft hat.
Zwei spätere Kapitel prägen bis heute, wie ein Perserteppich aussieht. Unter den Safawiden, von 1501 bis 1732, förderte der Hof die Knüpfkunst ebenso wie Malerei und Kalligrafie, und die Manufakturen von Tabriz, HeratIm Teppichlexikon nachschlagen, Kashan und Kerman schufen die Meisterwerke, die heute in Museen zu sehen sind. In dieser Zeit entstand das große ZentralmedaillonIm Teppichlexikon nachschlagen, und die Entwürfe wurden so aufwendig, dass ein eigener Entwerfer – oft ein Miniaturmaler – das Muster als KnüpfvorlageIm Teppichlexikon nachschlagen auf Papier zeichnete, nach der die Knüpfer arbeiteten. Das zweite Kapitel folgte im neunzehnten Jahrhundert unter den Kadscharen: Die Produktion erreichte ihren historischen Höhepunkt, der Export nach Europa und Amerika boomte, und das Manufakturwesen, dessen Erben bis heute knüpfen, nahm seine moderne Gestalt an.
Der Handel teilt Perserteppiche in drei Familien ein. Stadtteppiche wie Tabriz-, Kashan-, Kerman-, Isfahan- und Nain-Teppiche werden in Manufakturen nach einer gezeichneten Knüpfvorlage gefertigt, erreichen die höchsten Knotendichten und bieten die größte Auswahl an Farben, Größen und Mustern. Dorfteppiche wie HerizIm Teppichlexikon nachschlagen-, Bachtiar- und KaradjaIm Teppichlexikon nachschlagen-Teppiche stehen dazwischen: meist geometrisch und größtenteils aus dem Gedächtnis geknüpft. NomadenteppicheIm Teppichlexikon nachschlagen – Belutsch- und QashqaiIm Teppichlexikon nachschlagen-Teppiche sowie turkmenische Teppiche, jeweils nach dem Volk benannt, das sie knüpft – entstehen auf kleinen, tragbaren Webstühlen und fallen deshalb kleiner aus; ihre kräftige geometrische Zeichnung entsteht im Kopf der Knüpferin, nicht auf dem Papier.
Die Formensprache schöpft aus einem reichen Motivschatz: Shah-Abbasi-Palmetten, fließende Arabesken, das kleine, sich wiederholende Herati-MusterIm Teppichlexikon nachschlagen, Medaillons, GartenmusterIm Teppichlexikon nachschlagen und LebensbaumIm Teppichlexikon nachschlagen-Kompositionen. Zusammen mit regionalen Eigenheiten ergeben sie Stile, die ein geübtes Auge auf einen Blick zuordnen kann – von den kräftigen geometrischen Medaillons der Heriz-Teppiche bis zu den feinen, geschwungenen Blumenmustern der Isfahan-Teppiche.
Die klassische Farbpalette beruht auf Naturfarben: Krapprot, Indigoblau, Safrangelb und sanfte Elfenbeintöne, über Jahrhunderte zu harmonischen Kombinationen verfeinert. Naturfarben altern in Würde – sie werden mit den Jahren weicher und milder und entwickeln jene Patina, für die ältere Teppiche so geschätzt werden. Leichte Tonverschiebungen zwischen den FärbechargenIm Teppichlexikon nachschlagen, der sogenannte AbrashIm Teppichlexikon nachschlagen, sind ein Zeichen für Naturfärbung in kleinen Chargen, kein Fehler.
Der FlorIm Teppichlexikon nachschlagen ist fast immer aus WolleIm Teppichlexikon nachschlagen, und die Wolle entscheidet maßgeblich über die Qualität des Teppichs. Das beste Vlies stammt von Herden im Hochland, wo es dichter wächst und reicher an natürlichem Wollfett ist; Wolle aus der Frühjahrsschur übertrifft die Herbstschur, und handgesponnenes GarnIm Teppichlexikon nachschlagen ergibt einen feineren, weicheren Faden als maschinell gesponnenes. Feine Stücke setzen Seidenakzente in den Wollflor, und die feinsten sind reine Seidenteppiche. Das Grundgewebe besteht bei Stadtteppichen meist aus Baumwolle, bei Nomadenteppichen und älteren Stücken aus Wolle und im obersten Segment aus Seide.
Jeder Knoten wird von Hand geknüpft, einer nach dem anderen, und zwar in einer von zwei Formen: als asymmetrischer (persischer) Knoten, üblich im Zentrum und im Osten des Iran, oder als symmetrischer (türkischer) Knoten, der im Nordwesten verbreitet ist, seit seldschukische Knüpfer ihn im elften und zwölften Jahrhundert einführten. Ein großer Teppich zählt rund zwei Millionen Knoten und kann eine Knüpferin etwa ein Jahr lang beschäftigen.
Die KnotendichteIm Teppichlexikon nachschlagen ist die Zahl, an der sich Einsteiger gern festbeißen, und die feinsten Stücke mit einem Grundgewebe aus Seide erreichen tatsächlich bis zu 1.000 Knoten pro Quadratzoll. Doch die DichteIm Teppichlexikon nachschlagen zählt nur so weit, wie die Zeichnung sie verlangt: Ein Isfahan mit geschwungenen Linien braucht eine feine Knüpfung, um gestochen scharf zu bleiben, während ein geometrischer Heriz bekanntlich schon bei moderater Knotendichte ausgesprochen strapazierfähig ist. Material, Symmetrie, Farbharmonie und Zustand sagen mehr über die Qualität aus als jede einzelne Zahl.
Perserteppiche fügen sich in moderne Räume so selbstverständlich ein wie in klassische – als Blickfang im Wohnzimmer, als ruhender Pol unter dem Esstisch oder als dezenter Akzent im Schlafzimmer. Die Pflege ist unkompliziert: behutsam saugen, ohne rotierende Bürste, den Teppich gelegentlich drehen, damit er sich gleichmäßig abnutzt, und etwa alle fünf Jahre eine professionelle Teppichwäsche – im Flur oder Eingangsbereich öfter, in einem wenig genutzten Raum seltener.
Ein handgeknüpfter Perserteppich überdauert meist seine Besitzer. Hundertjährige Stücke sind nicht selten noch in bestem Zustand, die Farben harmonisch gereift, der Flor geschmeidig, und sehen oft besser aus als an dem Tag, an dem sie vom WebstuhlIm Teppichlexikon nachschlagen kamen. Ein gut gewählter, gut gepflegter Teppich behält seinen Wert und wird als Erbstück in der Familie weitergegeben, statt ersetzt zu werden – und genau dafür waren die Knoten, die Wolle und die Farben schon immer gedacht.
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